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Geschichte der Deichtorhallen

Im 19. Jahrhundert gab es zwei zentrale Großmärkte in Hamburg: den Hopfenmarkt am Nikolaifleet und den Meßberg am Oberhafen. Letzterer, ganz in der Nähe der heutigen Deichtorhallen, entsprach genau der damals erforderlichen Infrastruktur. Direkt am Stadtrand, Hafen und Berliner Bahnhof gelegen, konnte er per Schiff, Boot und Bahn leicht erreicht werden.

Doch schon am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die beiden Märkte zu eng. Mit der Neugestaltung der Eisenbahnverbindungen und dem Neubau des Hauptbahnhofs 1899 - 1906 ergab sich die Möglichkeit, anstelle des ehemaligen Berliner Bahnhofs einen neuen, größeren Markt einzurichten. Der »Deichtormarkt« wurde 1899 beschlossen, ab 1906 angelegt und am 1. Oktober 1911 eröffnet. Er besaß eine Marktfläche von 29.000 qm sowie weite Kellerräume und angrenzende Kasematten, die zur Lagerung der Waren bestimmt waren. 1914 konnten 1.600 Anbieter auf 2.266 Ständen gleichzeitig auf dem Marktgelände verweilen. Ein eigener Bahnanschluss, umgebaute Kaianlagen und die große Einfallstraßen sicherten eine gute Verkehrsanbindung. Nach einer provisorischen Überdachung des Deichtorhallenmarktes wurde 1911 begonnen, die festen Hallen zu errichten. Mit der Planung der neuen Markthallen war das »Ingenieurwesen der Baudeputation« betraut. Sowohl die beiden Deichtorhallen als auch die gegenüberliegende Markthalle wurden von Erik Unger-Nyborg unter dem leitenden Oberingenieur Johann Friedrich Ludwig Ferdinand Sperber entworfen.

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Wie der alte Elbtunnel, die St.Pauli-Landungsbrücken und einige andere stadtbildprägende Gebäude dieser Abteilung zeigen auch die Deichtorhallen unverhüllt die durch die Nutzung bedingten Konstruktionsformen und verbinden sie mit traditionellen Architekturelementen. So unterliegt die offenliegende Eisenkonstruktion beider Hallen einem sich an Kirchenbauten anlehnenden Grundriss: die Südhalle mit Querschiff und Vierungstürmchen, dreischiffig die Nordhalle. Auffällig sind die städtebaulich wirksame Dachbildung sowie eine durch Plastiken und Ornamente bereicherte Wandgliederung, in der sich Jugendstil und Reformarchitektur stilistisch verbinden. So sind die Deichtorhallen nicht nur ein Zeugnis der Hamburger Wirtschaftsgeschichte, sondern auch Denkmal für eine bedeutende Reformperiode der Architektur, in der Ingenieurwerk und Baukunst zu einer Synthese fanden.

Für die schnell wachsende Stadt Hamburg erwiesen sich die Gebäude als zentrale Markthallen bald als nicht ausreichend. Schon in den zwanziger Jahren wurde deshalb eine riesige neue Markthalle über dem gesamten Deichtormarkt geplant, deren Umsetzung aber der Weltwirtschaftskrise zum Opfer gefallen ist. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entsprachen die Stahlbetonhallen in Hammerbrook der Notwendigkeit eines größeren Marktes. Seitdem der eigentliche Großmarkt in die Hallen am Klostertor gezogen ist, wurden die Deichtormarkthallen ab 1963 vom Blumengroßmarkt genutzt, der sie jedoch 1984 verlassen hat. Seitdem waren die Hallen dem schleichenden Verfall preisgegeben.


Umbau zum Ausstellungszentrum

Nachdem die Deichtorhallen jahrelang vom Abbruch betont waren, sicherte der Hamburger Industrielle Kurt A. Körber auf Anregung des damaligen Oberbürgermeisters Klaus von Dohnanyi ihren Erhalt. Die Körber-Stiftung übernahm die Kosten für die Restaurierung der Hallen und die Umgestaltung in eines der größten Ausstellungszentren Europas. Mit der Planung wurde der Berliner Architekt Josef Paul Kleihues beauftragt. Grundsatz der Restaurierungsarbeiten war die Bewahrung der historischen Bausubstanz. Die filigrane Glas- und Stahlkonstruktion sowie die ungewöhnliche Atmosphäre der Räume im Inneren sollten erhalten bleiben. Die binnen elf Monaten restaurierten Hallen sowie das neu gestaltete umgebende Gelände wurden der Stadt Hamburg anlässlich ihres 800. Hafengeburtstages im September 1988 übergeben.
 

Foto: Isabel Mahns-Techau
Foto: Isabel Mahns-Techau

Am 9. November 1989 eröffnete mit der Ausstellung »Einleuchten« von Harald Szeemann das Kunstausstellungsprogramm der Hallen. Als erster Direktor war Erik Berganus 1989-90 tätig, bevor Frank Barth dieses Amt interimistisch übernahm. Im September 1991 wurde Zdenek Felix Leiter der Deichtorhallen. Unter seiner Leitung wurden die Deichtorhallen zu einer weltweit wahrgenommenen Kunstinstitution ausgebaut. Nach 13-jähriger Amtszeit übernahm Robert Fleck von 2004 bis 2008 die Geschäfte, bis er das Haus für die Intendanz der Bundeskunsthalle in Bonn verließ. Seit 1. Oktober 2009 ist Dr. Dirk Luckow der Intendant der Deichtorhallen Hamburg, die er gemeinsam mit dem Kaufmännischen Direktor Bert Antonius Kaufmann leitet.


Kunst und Fotografie in den beiden Deichtorhallen
und der Sammlung Falckenberg

Seit ihrer Eröffnung vor 25 Jahren sind die Deichtorhallen zu einem der international renommiertesten Ausstellungsorte für zeitgenössische Kunst und Fotografie geworden. Im Laufe ihrer Geschichte haben sich die Deichtorhallen Hamburg zu einem Ausstellungshaus mit drei institutionellen Standbeinen – drei Häuser unter einer Dachmarke – entwickelt. Internationale künstlerische Positionen wurde seitdem in rund 90 Gruppen- und 120 Einzelausstellungen präsentiert.

Das »Haus der Photographie« ist seit 2005 in der südlichen Deichtorhalle angesiedelt. Den Grundstock bildet die fotografische Sammlung F. C. Gundlach. Seit Januar 2011 stärkt die Sammlung Falckenberg die zeitgenössische Kunst am Haus und erweitert die Deichtorhallen um eine Dependance in Hamburg Harburg mit rund 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

In der »Halle für aktuelle Kunst« – mit rund 3.800 qm die größte zusammenhängende Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst in Europa – werden in Großprojekten künstlerische Positionen der Gegenwart vorgestellt. Einzelausstellungen von Malern, Bildhauern und Designern mit internationalem Ruf stehen dabei im Vordergrund. Die Projekte werden dabei zumeist ortsspezifisch in enger Kooperation mit den Künstlern entwickelt. Diese Deichtorhalle wird z.Zt. mithilfe der Investitionsmittel in Höhe von 13 Mio. Euro aus dem Sanierungsfonds 2020 der Freien und Hansestadt Hamburg als bedeutendes Denkmal der Industriearchitektur und wichtiger kultureller Bestandteil Hamburgs grundlegend instandgesetzt und modernisiert.
 


Foto: Conny Hilker

Seit 1989 wurden so mehr als 200 große Ausstellungsprojekte realisiert, die Werke von über 1.900 verschiedenen Künstlern präsentierten und von mehr als 30 Mio. Besuchern gesehen wurden. Neben umfangreichen monographischen Ausstellungen von bekannten Künstlern wie Andy Warhol, Martin Kippenberger, Louise Bourgeois oder Gilbert & George werden auch jüngeren künstlerischen Positionen immer wieder sehr früh große Ausstellungen eingeräumt wie etwa Andreas Gursky, Jonathan Meese, Wolfgang Tilmans oder Elizabeth Peyton. Die oft spektakulär inszenierten Ausstellungen beziehen den einzigartigen Raum der offenen Deichtorhalle explizit mit ein, so das »Perfect World« von Jason Rhoades und Antony Gormleys »Horizon Field Hamburg«.

Darüber hinaus werden Themen- und Gruppenausstellungen sowie große internationale Kunstsammlungen gezeigt, so die Sammlung des Centre Pompidou, die Sammlung Goetz oder jüngst die Julia Stoschek Collection oder die Sammlungen Olbricht und Falckenberg. Auch finden in dieser Halle regelmäßig Ausstellungen mit einer programmatischen Nähe von Kultur und Alltag sowie mit kulturhistorischen Themen statt – wie z.B. die Ausstellungen »Art & Economy« oder »Wunder« -, die sich bewusst an ein breites Publikum wenden.

Ein umfangreiches Angebot im Bereich der kulturellen Bildung mit vielfältigen Kooperationspartnern flankiert das Ausstellungsprogramm. Die Fachbuchhandlung für Fotografie, die Bibliothek F.C. Gundlach sowie das vielfach ausgezeichnete Restaurant „Fillet of Soul“ runden das Angebot der Deichtorhallen ab. Angesiedelt am Übergang zwischen Kunstmeile und Hafencity bieten sie einen idealen Ausgangspunkt für kulturelle Unternehmungen in Hamburg.

Hier gelangen Sie zur offiziellen Internetseite der Deichtorhallen Hamburg.